Warum Integration ohne tragfähige Stammdaten nicht funktioniert

Wenn integrierte Systeme trotzdem Diskussionen erzeugen

Die Systeme sind integriert. Und trotzdem wird mehr erklärt als entschieden.

In vielen Unternehmen gilt Integration als abgeschlossen. Anwendungen sind angebunden, Schnittstellen liefern Daten, Prozesse laufen automatisiert. Auf Systemebene funktioniert das Zusammenspiel. Und dennoch geraten Zahlen immer wieder unter Rechtfertigungsdruck. Reports werden hinterfragt. Entscheidungen verzögern sich.

Das wirkt widersprüchlich. Denn wenn Systeme integriert sind, müsste Klarheit entstehen. In der Praxis passiert oft das Gegenteil. Mit jeder zusätzlichen Verbindung steigt der Abstimmungsaufwand. Nicht wegen technischer Probleme, sondern weil dieselben Begriffe in unterschiedlichen Systemen unterschiedliche Bedeutungen tragen. Integration verbindet Daten. Sie klärt aber nicht automatisch, was diese Daten bedeuten.

Das eigentliche Problem entsteht vor der Schnittstelle

Das Problem liegt selten in der Integration selbst. Es liegt in dem, was und wie integriert wird. Wenn Kunden, Produkte oder Organisationseinheiten in verschiedenen Systemen unterschiedlich definiert sind, überträgt jede Schnittstelle diese Unschärfe weiter. Integration vervielfacht dann Unsicherheit, statt sie zu reduzieren.

Besonders sichtbar wird das an Übergaben zwischen Bereichen und Systemen. Dort, wo ein Auftrag vom Vertrieb in die Abwicklung wechselt, operative Zahlen ins Finanzreporting fliessen oder IST-Werte mit Planungsdaten abgeglichen werden. Genau an diesen Stellen entscheidet sich, ob Integration trägt. Es braucht eindeutige Identitäten, konsistente Strukturen und verbindliche Schlüssel. Fehlen sie, entstehen Zusatzlogiken und manuelle Korrekturen.

Wo Stammdaten nicht tragen, leidet die Geschwindigkeit. Neue Kunden, Produkte oder Organisationseinheiten lassen sich nur mit Rückfragen anlegen, weil unklar ist, welche Definition gilt. Kontrollen werden nachgelagert, um Fehler abzufangen, die gar nicht entstehen sollten. Prozesse werden langsamer, obwohl sie technisch längst automatisiert wären.

Im Reporting wird diese Schwäche besonders deutlich. Sobald Auswertungen regelmässig bereinigt oder manuell zusammengeführt werden müssen, fehlt eine tragfähige Grundlage. Excel wird zur Drehscheibe zwischen den Systemen. Entscheidungen verzögern sich nicht wegen mangelnder Analysefähigkeit, sondern weil die Vergleichbarkeit der Zahlen infrage steht.

Was tragfähige Stammdaten für Integration leisten

Stammdaten sind kein statisches Konstrukt. Sie leben im Alltag eines Unternehmens. In Prozessen, Übergaben und Entscheidungen. Sie verändern sich, werden erweitert, korrigiert und historisiert. Genau deshalb müssen sie versioniert, verantwortet und nachvollziehbar bleiben.

In der Praxis zeigt sich dabei ein klares Muster. Integration wird häufig als technisches Vorhaben verstanden. Schnittstellen werden gebaut, Tools implementiert, Datenflüsse automatisiert. Die erhoffte Wirkung bleibt aus, weil die fachliche Verbindlichkeit fehlt. Systeme sind verbunden, ohne dass eindeutig geklärt ist, welche Entitäten unternehmensweit gelten und wie mit Veränderungen umzugehen ist.

Genau hier entscheidet sich, ob Integration trägt oder dauerhaft Aufwand produziert. Stammdaten definieren, was ein Unternehmen unter einem Kunden, einem Produkt oder einer Organisationseinheit versteht. Und sie legen fest, wie sich diese Bedeutungen im Laufe der Zeit verändern dürfen.

Stimmt diese Grundlage, wird Integration ruhig. Übergaben funktionieren selbstverständlich. Reporting kommt ohne erklärende Zusatzlogiken aus. Systeme tauschen Informationen aus, ohne dass Bedeutung übersetzt werden muss.

Fehlt diese Ruhe, liegt das Problem selten in der Technik. Dann lohnt sich der Blick auf die Basis. Denn nachhaltige Integration entsteht nicht durch mehr Schnittstellen, sondern durch Klarheit darüber, wie Stammdaten definiert, verantwortet und weiterentwickelt werden.

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